Außenfilter Fluval FX4 im Test

Wer etwas Aufwand nicht scheut, kann über ein Produkt haufenweise an Daten zusammentragen. Siehe Außenfilter Vergleich vom 16. Oktober. Am Ende des Informationsammelsuriums hat man sich auch meist einen Wunschkandidaten ausgesucht, von dem man ausgeht er sei der richtige. Ob dieser am Ende auch tatsächlich die „Errungenschaft“ des Lebens ist, zeigt sich meist erst in der Praxis.

Die Technische Daten

Technische Angaben dürfen bei einem Praxistest natürlich nicht fehlen, immerhin bieten diese einen ersten Anhaltspunkt über die gebotene Leistung. Die unten genannten Daten sind überwiegend von der Herstellerseite übernommen worden.

  • Mehrstufenfilter mit einer Förderleistung von 2650 Liter Wasser pro Stunde
  • Smart Pump – fortschrittliche Mikrochip-Technologie überwacht und optimiert kontinuierlich die Pumpenleistung
  • Selbstansaugung – nur Wasser zugeben
  • Smart Pump Technologie, Lufteinschlüsse werden alle 12 Stunden automatisch entlüftet
  • Aqua-Stop-Ventile mit leckdichtem „Klick & Fertig“-Befestígungssystem
  • In mehrere Richtungen ausrichtbare Wasseraustrittsstutzen ermöglichen volle Anpassung an jeden Wasserfluss
  • Ablaufventil (Versorgungsventil) mit Ablaufschlauch für einfache Wartung und Behälterspülung
  • Maße (b x h x t) 40 cm x 42 cm x 40 cm
  • Leistungsaufnahme 30 Watt

Kein Feld und Wiesen Filter

Der Italiener mit kanadischer Herkunft (Firmensitz in Kanada, Fertigung in Italien) macht als Papiertiger schon mal einiges her. Optisch wirkt er, um es milde auszudrücken, nicht gerade von der Stange. Wer meint Italienische Grazie nach Hause zu holen, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden. Anmut ist wirklich das allerletzte was einem beim betrachten des FX4 in den Sinn kommt.

FX4 – Der unheimliche Filter aus einer fremden Welt

Als Apple Fanboy bin ich es gewohnt (vom iPhone X Notch-Design mal abgesehen) eine einfache Bedienung samt cleanen Äußeren zu besitzen. Einfacher gesagt, ich liebe eine aufgeräumte und klare Linie, selbst dann wenn die Handhabung darunter ein wenig leiden muss (siehe Test JBL  ProFlora m503). Der FX4 kann letzten Endes mit keiner meiner Designvorlieben dienen, dafür kramt der Außenfilter alte Erinnerungen aus vergangenen Kindheitstagen hervor. Seit frühester Kindheit, und damit eigentlich viel zu bald, bin ich Fan der Alien Filmreihe Teil 1 bis 3. Vielleicht noch Prometheus, da aber nur Teil eins. Der FX4 kann gewisse Ähnlichkeiten mit dem vom HR Giger eingeführten „Biomechanoiden“ Stil (Xenomorph) nicht von der Hand weisen und das wiederum gefällt mir. Eine Kaufentscheidung dann rein auf den Look zu beschränken, wäre natürlich unfair und obendrein auch sehr unprofessionell. Der FX4 besitzt neben sein Aussehen ein paar bemerkenswerte Eigenschaften, die ihm zu einem sehr guten Begleiter für das Aquarium machen.

Es kommt eben doch auf die Größe an

Die erste Überraschung wurde mir schon vom Postboten überreicht. Für eine Spülmaschine (Anm. kleiner Scherz) wäre das Ausmaße des Kartons ja ok, aber für einen Außenfilter?! Alle Hoffnung das die Verpackung typischerweise viel größer ausfällt als nötig, wurden schon beim öffnen im Keim erstickt. Der FX4 füllt den Karton komplett aus ohne auch nur einen Millimeter an Platz zu verschwenden. Da stellt man sich natürlich die Frage, „passt das Ungetüm überhaupt in meinen Unterschrank?“

…Achtung jetzt kommt ein Karton.

Diese Frage ist sicherlich nicht unberechtigt, denn mit einem Durchmesser von knapp 40cm(!!) ist er mindestens 10 Zentimeter breiter als alle anderen Außenfilter meiner Aufzählung. Ein vorheriges Messen ist deshalb nicht nur ratsam, sondern beinahe Pflicht. Aus eigener Erfahrung weiß ich das nicht jeder Partner die eigenen Designvorlieben billigen muss und ein freistehender FX4 kann unter Umständen zu Ehekrisen wegen Unstimmigkeiten in Fragen „Was ist Schönheit“ führen.

Eines sollte aber noch erwähnt werden! Noch bevor man den eigentlichen Filter zu Gesicht bekommt, muss man zwei weitere Pappdeckel umklappen. Diese wurden vom Hersteller aber nicht ungenutzt gelassen, sondern mit einer bebilderte Aufbauanleitung in den Sprachen englisch/französisch und spanisch/deutsch versehen.

Nicht das so was zwingend notwendig wäre, aber cool finde ich es schon. So hat man sofort eine kleine Übersicht über die nächsten Minuten/Stunden an Arbeit. Für Erfahrene Aquarianer reicht der aufgedruckte Sieben-Punkte-Plan durchaus als alleinige Aufbauanleitung, für alle anderen liegt dem Karton eine „normale“ Bedienungsanleitung bei.

Wer beim Aufbau weder auf Verpackung noch auf gedrucktes Papier Wert legt, hat die Möglichkeit das sehr gute Installationsvideo des Herstellers anzuschauen (ab Minute 6:45). Das Video gibt es zwar „nur“ in einer englischen Sprachausgabe, dürfte aber selbst für Englischlegastheniker leicht nachzuvollziehbar sein.

So oder so entspricht der Aufbau im Großen und Ganzen dem was man bisher gewohnt ist, vorausgesetzt man hatte schon einmal einen Außenfilter im Betrieb genommen. Dennoch besitzt der FX4 ein paar Eigenheiten, die den Filter zu etwas „besonderen“ in Sachen Aufbau und Betrieb machen.

Designed for Industrie

Wenn es um Stiltreue geht, macht der Filter keine halbe Sachen. Vom Anfang an, bis zum bitteren Ende bleibt der Filter seiner trockenen und pragmatischen Aufmachung treu. Im Grundaufbau funktioniert zwar alles so wie man es erwartet, aber irgendwie viel methodischer und teils unerwartet umständlich. Das fällt schon beim Verschluss des Filters auf. Dieser ähnelt eher einem aus der Industrie stammenden Domdeckel, als aus der Zoohandlung von nebenan. Würde Fluval nicht Plastik als Material verwenden, man könnte meinen es wäre ein Teil eines Milchlasters.

Sage und schreibe acht weiße Flügelschrauben verschließen den Deckel druckfest mit dem Filtergehäuse. Zwar wird man mindestens die doppelte Zeit für die De- und Montage benötigen, dafür kann man den Anpressdruck selbst bestimmen und womöglich spätere Undichtigkeiten weitestgehend verhindern. Bei einem herkömmlichen Snap-Verschluss (Bajonettverschluss) ist eine nachträgliche Feinjustierung geradezu unmöglich.

schraub mich…

In den Genuss von Schrauborgien wird man zum Glück eher selten kommen. Das Filtervolumen des FX4 ist riesig (dazu später mehr) und der Intervall zwischen der Filterreinigungen dürfte bei etlichen Monaten liegen.

Sieht man sich das Zubehör genauer an, ändert sich an der rigorosen Stilrichtung nichts. So liegen dem Filter Schlauchbinder aus Metall bei, die in klassischer Manier per Schraubendreher für festen und dichten Sitz sorgen soll. Die wirklich riesigen Ein- und Auslässe, sowie die verwendeten Ventile, führen die Designvorlage des Gehäuse gnadenlos fort.

Der Formstabile, geriffelte und mit 2 Meter relativ lange Schlauch, besitzt einen enormen Durchmesser. Vermutlich wollte man bei Fluval der hohen Pumpenleistung so wenig wie möglich entgegensetzten und wählte demnach einen Schlauch mit großzügigen 24mm Innen und 28mm(!!!) Außendurchmesser. Das große Rohr, es sieht wirklich eher nach einem Leitungsrohr als nach einem Schlauch aus, könnte im Nachhinein auf nicht bedachte Probleme stoßen.

Egal ob aktiver CO2 Reaktor oder ein ordinärer Oberflächenabsauger, beides wird wohl einiges an Bastelstunden mit sich bringen müssen, um es zu einer Arbeit mit dem FX4 (FX6) überreden zu können. Meiner Meinung nach sind CO2-Inlinediffusor eine der besten CO2 Versorger für größere Becken und der größte dieser Art den ich finden konnte war der „Proflora Direct“ von JBL (Amazon). Mit einem Schlauchanschluss von 19mm Innen- und 25mm Außendurchmesser ist dieser zwar beachtlich, aber immer noch zu klein für einen direkten Einsatz am Fluval FX4. Stört mich das? Eher nicht! Erstens liebe ich kleine Basteleien an meinem Hobby und zweitens wusste ich vorher schon was da auf mich zukommen könnte. Eine nicht gerade zimperliche Pumpenleistung von mehr als 2600 Liter pro Stunde, fordert nun mal ihren Tribut.


Ein Blick ins Innere

Öffnet man den Filter, macht die Designtreue auch vor dem Innenleben des Filters nicht halt. Obwohl einem die Filterkörbe des FX4 im großen und ganzen recht vertraut vorkommen, sind diese frei von jeglichem Komfort.

für Organspende ungeeignet…

Die runden und an Turbineneinsätze erinnernde Filterkörbe werden nur durch eine einfache, fast kümmerlich wirkende, Kunststoffklammer (Arritierungshilfen) gehalten. Anschließend wird der gesamte und damit leicht wackelige Turm, ins innere des Gehäuse befördert. Diese Art der Einführung funktioniert mit etwas Übung zwar ganz gut, aber bei weiten nicht so elegant wie man es von anderen Herstellern gewohnt ist. Konventionelle Filterkörbe mit stinknormalen Henkel und ein einfaches hintereinander einbringen in das Gehäuse, wäre vielleicht die angenehmere Lösung gewesen. Demgegenüber wird man mit einem gigantisch Filtervolumen belohnt. Vierzehn Liter Filtervolumen, von denen 4 Liter für Bio-Filtermaterial (im Lieferumfang enthalten) vorbehalten sind, dürfte auch für größere Ansprüche ausreichend sein. Noch mehr bekommt man mit dem FX6, hier stehen einem knapp 20 Liter zum Abbau von organischen Abfällen zur Verfügung.

Wer den oben gezeigten Film gesehen hat, wird bemerkt haben das die Überleitung ins Becken der „HR Giger-Stillinie“ treu bleibt. Während sich bei den meisten Herstellern ein separates Installationsset im Lieferumfang befindet, behilft sich Fluval mit einer einfachen wie auch genialen Kanten- und Knickvorrichtung. Mit Hilfe derer lässt sich der sehr dicke, aber dennoch flexible Schlauch, relativ einfach ins Becken führen.

Das wirkt zwar etwas plump und klobig, vermeidet aber auftretende Strömungsbarrieren wie sie durch normale Ein- und Auslässe entstehen würden. Um die Wassermassen am Ende auch möglichst verlustfrei im Becken zu verteilen, wurde dem Auslass zwei getrennt voneinander verstellbare Düsen spendiert.

Die dafür verwendeten Kugelgelenke besitzen einen sehr großen Einstellradius und können so jede Ecke im Aquarium mit Strömung erreichen.

Das Herz der Anlage

Die eigentliche Pumpe ist unüblich an der Unterseite des Gehäuses angeflanscht und nicht wie bei anderen Herstellern im Deckel des Filters. Das hat natürlich den Vorteil das sich nach dem abschalten darin kein Wasser ansammeln kann, welches beim abheben und beiseite legen des Deckels unter Umständen am Boden verteilt. Ob sich dadurch Vorteile bei der Entlüftung während des Betriebs ergeben, kann ich leider nicht sagen. Was ich allerdings sagen kann, ist das es nach dem reinigen des Filters und beim anschließenden einschalten, zu keinerlei Problemen kam. Es soll ja tatsächlich den ein oder anderen Hersteller geben, bei dem es nach dem Wasserwechsel zu wahren Pumporgien kommen soll *hüstel*.

Die im Deckel montierten Ventile eignen sich zwar super zur Regulierung und zur Unterbrechung der Durchflussmenge, können aber sehr leicht verwechselt werden. Ein- und Auslass sind in ihrer Form und Farbe absolut identisch. Sollte man die „Snap-In“ Ventile gleichzeitig entfernen, was bei der kompletten Entnahme des Filters ja unvermeidbar ist, kann es beim anschließenden montieren zur Verwechslung kommen. Die Frage welches Ventil nun den Ansaugkorb besitzt, wurde von mir dahingehend gelöst in dem ich den Auslauf mit einem „O“ für Out markiert habe.


Zählt ist, was oben raus kommt

Um es vorweg zu nehmen, der Filter pumpt und zwar ordentlich. Zweitausendsechshundert und Fünfzig Liter klingen nicht nur beeindruckend, sondern zeigen es auch ungeniert in Form einer üppigen Wasserströmung. Trotz Zwillingsauslass tritt aus jeder Öffnung soviel Wasser, das man meinen könnte es befänden sich zwei Außenfilter unterm Becken. Das macht sich leider auch bei der Lautstärke bemerkbar. Zwar ist der Filter nicht mit einem vorbeifahrenden Panzer vergleichbar, aber auch weit entfernt von einem Flüsterfilter. Deutlich nimmt man ein dumpfes und sonores brummen wahr, nicht wirklich störend, aber deutlich hörbar. Somit hat sich der Außenfilter für das Schlafzimmer disqualifiziert, aber er ist immer noch wohnzimmertauglich. Man hört des öfteren das Außenfilter mit der Zeit etwas leiser werden, dem kann ich nur bedingt zustimmen. Zwar nimmt man den Filter nach ein paar Wochen wirklich weniger wahr, aber ob es wirklich am Filter oder an der eigenen Wahrnehmung liegt, kann ich beim besten willen nicht beurteilen. Man muss einfach bedenken das weit mehr als 2000 Liter pro Stunde befördert werden. So etwas kann nur mit sehr viel Aufwand und damit verbundenen Kosten annähernd lautlos verrichtet werden.

Nicht unerwähnt sollte die „Smart Pump“ genannte Technologie bleiben. Diese führt automatisch alle 12 Stunden einen Pumpenstopp durch, um damit angestaute Luft entweichen zu lassen. Ebenso wird nach einer Stromunterbrechung, wie z.B. nach dem Wasserwechsel, verfahren. Die Pumpe läuft normal an und nach ein paar Minuten wird sie für 60 Sekunden angehalten.

Das ganze ist tatsächlich nicht nur Marketing Geblubber, sondern hilft den Filter bei der Entlüftung. Wenn man genau hinhört, kann man in der „Pumpen-Zwangspause“ ein leises gluckern wahrnehmen.

One more thing…

Oh ja! Was für eine abgelutschte Überschrift. Wer aber seinen Blick auf die untere Hälfte, neben der aufgesteckten Pumpe gleiten lässt, wird ein weiteres rotes Versorgungsventil entdecken. Der vom Hersteller auf den Namen „multifunktionales Ablaufventil“ hörende Stutzen, bietet dem Benutzer die Möglichkeit Zubehör wie das „Gravel VAC“ zu betreiben. Auch ist es möglich über das Ventil einen Wasserwechsel durchzuführen.

Einen Wasserwechsel über diese Vorrichtung wurde von mir noch nicht absolviert, mir persönlich gefällt die halbautomatische Methode mit Schlauch und Gardena-Adapter noch am besten. Den Gravel VAC Bodenreiniger, den man sich übrings kostenlos nachliefern lassen kann, kam hier und da schon zum Einsatz. Ein Test dazu wird irgendwann nachgereicht. Soviel sei aber gesagt, es funktioniert ganz ordentlich.


Fazit

Wer über eine etwas höhere Lautstärke, sowie den unüblichen Schlauchgrößen und den eigenwilligen Design hinwegsehen kann, bekommt mit dem FX4 einen richtig guten Außenfilter. Die Pumpenleistung ist enorm und das Filtervolumen mit 14 Liter bemerkenswert. Nach einigen Stunden Betrieb wurde mein Wasser Kristallklar, was ich bisher in dieser Art noch nicht beobachten konnte. Auch die im Durchschnitt mit 4 Sterne recht hoch bewertete Kundenrezension bei Amazon, spricht für sich. Wer bereit ist 200 Ocken für einen extravaganten Außenfilter auszugeben, wird von dessen Leistungspotential angenehm überrascht sein. 


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