CO2 Anlage mit Touch, die JBL ProFlora m503 im Test

CO2 Anlage mit Touch, die JBL ProFlora m503 im Test

Dieser Test erschien in der aquaristik 4/2017 - das Magazin für erfolgreiche Süßwasser-Aquarianer.

Eine CO2 Anlage ist in der Aquaristik fast nicht mehr wegzudenken. Es mag zwar einige Pflanzenarten geben, die mit der natürlichen Menge an CO2 haushalten kann, aber die Vielzahl der angebotenen Gewächse wachsen einfach mit Kohlendioxid besser. Die Natur selber besitzt zwar keine CO2 Anlage, dafür aber andere Strategien um das Wertvolle Gas zu erzeugen. Die Verantwortlichen sind Mulm und Aas, also organisches Material das vor sich hin fault und dabei CO2 erzeugt. Aus gutem Grund möchte man den natürlichen CO2 Lieferanten liebend gerne durch eine künstliche Variante austauschen. Nebenbei dürfte es sehr schwer sein bei dieser Art der CO2 Versorgung eine konstante Dosierung zu erhalten! Selbst in der Natur passiert es nicht selten das opulentes Pflanzenwachstum bei einer plötzlichen CO2 Dürreperiode stark stagniert. Eine sehr gute Kernaussage bringt die Sache auf dem Punkt:

„Alle Pflanzen verlangen CO2, wo es her kommt und in welcher Menge ist eine andere Frage.“

Als weiteren Nebeneffekt hat das zugeführte CO2 meist einen positiven Einfluss auf den pH-Wert. Der Großteil unserer Zierfische wird aus Biotopen mit leicht bis stark saurem Wasser entnommen. Unser heimisches Leitungswasser liegt aber fast ausschließlich im basischen Bereich und somit oberhalb des neutralen Wertes von pH 7. Das hat einen ganz einfachen Grund, zumindest aus der Sicht der Stadtwerke. Saures Wasser, also Wasser mit einem pH-Wert unter 7, greift metallische Werkstoffe wie Kupfer oder verzinkte Rohre an. Bei einem pH Wert über 7 wird dieser Prozess unterbunden und die Wartungsarbeiten am Rohrsystem damit auf ein Minimum reduziert. Trotz diesem tollen Nebeneffekt sollte man immer daran denken das eine CO2 Anlage keine PH-Senkungs-Maschine ist. Dafür gibt es bei weiten bessere Methoden, Stichwort Torfkanone, Osmose, Harze etc.

Warum JBL´s m503 ?

Kommen wir zu der Frage wieso gerade das JBL m503, gehört die Anlage ja nicht zu den günstigsten Vertreter ihrer Art? In erster Linie liegt es natürlich an der deutschen Mentalität zur Markentreue. Der Vorgänger m603, zu dem es hier schon einen Test gibt, hat sich über Jahre hinweg bewährt. Warum also nicht auch den Nachfolger benutzen.

Vorgänger Controller m603
Vorgänger Controller m603

Neben der Markentreue hatte natürlich auch das Design einen nicht zu unterschätzenden Anteil an dieser Entscheidung. Der ProFlora pH-Control Touch passt mit seiner modernen weißen Kolorierung einfach perfekt zu meiner restlichen Einrichtung.

Ganz wichtig für mich war der Verzicht auf haptische Tasten, damit wird das von mir so geliebte „cleane“ Äußere erzeugt. Für einige mag die Optik reine Nebensache sein, für mich ist es aber ein bedeutender Bestandteil der Aquaristik im Wohnzimmer. Diskussionen darüber habe ich mittlerweile aufgegeben, es ist einfach eine unmögliche Aufgabe das Phänomen „für Optik zahle ich gerne mehr“ zu erklären. Mac Besitzer werden bestimmt wissen was ich meine.

Allerdings wäre es unfair das Produkt rein nach seinem Äußeren zu beurteilen, denn auch abseits der Optik macht das m503 Paket einen soliden Eindruck.

Lieferumfang

Das Paket m503 besitzt eine ganze Menge an Utensilien, die wichtigsten davon wären:

  1. ProFlora pH-Control Touch
  2. 500g CO₂-Flasche mit Standfuß
  3. CO2 Armatur mit 2 Manometern und Nadelventil
  4. Nachtabschaltung mit Magnetventil
  5. Reaktor JBL ProFlora Taifun
  6. Blasenzähler JBL ProFlora Count safe
  7. CO2 Spezialschlauch

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Leider fehlt ein pH-Sensor im Paket, dieser ist aber für den Betrieb unabdingbar. JBL bietet dafür seinen pH-Sensor+Cal an, dieser sollte auf jeden Fall seinen Weg mit in den Einkaufskorb finden. Andere pH-Sensoren sollten auch funktionieren solange sie einen BNC Anschluss besitzen.

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nicht inbegriffen, der JBL PH Sensor

Der erste Eindruck

Wie heisst es so schön, der erste Eindruck zählt und dieser war beim öffnen der Packung schon recht positiv. Alles wurde sauber und übersichtlich verpackt, der Umfang ist wie eingangs erwähnt üppig. Leider ist das Display des pH-Control Touch für meinen Geschmack etwas zu klein, dazu später aber mehr.

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Kommen wir zu den einzelnen Komponenten und dessen Bewertungen, mal sehen ob knapp 500 Euro gut angelegtes Kapital sind.

ProFlora pH-Control Touch

Das Bedienfeld des pH-Control Touch ist die direkte Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Dieser ist aber nicht wie man es von modernen Smartphones her kennt mit einer kapazitiven Front ausgestattet, sondern mit der etwas altwirkenden drucksensitiven Oberfläche. Man muss daher schon fühlbar auf den Monitor drücken um diesen zu einer Aktion zu bewegen. Was anfangs ungewohnt und altbacken anmutet, hat den Vorteil auch mit nicht nackten Körpergliedmaßen bedient werden zu können. So lässt sich der Bildschirm auch mit Stift, Fingernägel, verdreckten Fingerkuppen oder auch mit Gummihandschuhen bedienen.

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Größenvergleich iPhone 5 vs. Touch Control

Trotzdem ist das Touchdisplay deutlich kleiner als von mir vermutet. Ich gebe zu das ich als iPhone 6 Plus Besitzer diesbezüglich etwas voreingenommen bin, aber mit knapp 2,8 Zoll, also etwa 7 cm Diagonale, war meine erste Vermutung das so ein Display für Ameisen entwickelt wurde. Auf der anderen Seite wirkt das Gerät dadurch etwas unaufdringlicher an der Wand.

Apropos unaufdringlich! Im Ruhemodus zeigt das Display eine herrlich zurückhaltende Infografik an.

Auf ein Minimum reduziert
Auf ein Minimum reduziert

Wenn, wie in meinem Fall, nicht gerade eine Kalibrierung erforderlich ist, zeigt die hübsche Grafik nur den gegenwärtig pH-Wert und die aktuelle Temperatur an. Das ist auch gut so. Mehr Information muss auf den ersten Blick nicht sein. Das würde nicht nur unschön aussehen, sondern auch sehr verwirren. Sollte sich dennoch ein Parameter außerhalb der Toleranz befinden, weißt ein blinkendes Symbol dezent darauf hin. Bei Bedarf kann sogar ein Ton erzeugt werden. Untermauert wird das ganze durch einen schönen Wallpaper als Hintergrund.

Mit einem Tippen auf das Display gelangt man in eine mehr oder weniger übersichtliche Infoseite.

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Sieht nach Wirrwarr aus, zeigt aber alles Notwendige auf einem Blick. Wäre das Gerät im inaktiven Zustand (Ruhemodus) dermaßen mit Daten zu gefüllt, wäre ich bitter enttäuscht gewesen. Als zweite Ebene ist es durchaus angenehm alles auf einmal im Blick zu haben.

Mit dem Zahnradsymbol gelangt man in das Hauptmenü, welches auch gleich die Einstellungen des Gerätes beinhaltet.

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Ich möchte nicht näher auf die einzelnen Punkte eingehen, da diese eigentlich selbsterklärend und jedem CO2 Besitzer geläufig sind. Sollten dennoch Fragen auftauchen, was bei der Erstanschaffung einer CO2 Anlage die Regel ist, hilft einem das vom Umfang her biblische Handbuch.

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Leider vermute ich das kein Programmierer am Endgerät tatsächlich Hand angelegt hat. Die einzelnen Auswahlpunkte sind wirklich sehr klein, so das ich jedes mal überrascht bin sie tatsächlich getroffen zu haben. Das UI (User Interface) ist meiner Meinung nach nicht für Touchscreens dieser Größe geeignet. Allerdings muss man sich ja nicht allzuoft in den Einstellungen herumquälen, so das dieser Umstand nicht wirklich ins Gewicht fällt. Wie gesagt, das bedienen selber funktioniert ja mit etwas Feingefühl.

Ist die Apparatur einmal eingestellt, beschränkt sich die Bedienung auf ein Minimum und dient fortan nur als Infoquelle. Eben so wie man es von einen Automaten erwartet.

JBL pH-Sensor

Im Set des m503 nicht enthalten, aber unabdingbar für den Betrieb, ist der JBL pH-Sensor+Cal.

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Geliefert wird dabei alles um den Betrieb mit einer CO2 Anlage zu bewerkstelligen und um spätere Kalibrierungen durchführen zu können:

  • Sensor mit Schutzkappe und Aufbewahrungslösung
  • 2 Saughalter
  • 50 ml Pufferlösung pH 7,00
  • 50 ml Pufferlösung pH 4,00+
  • 50 ml entionisiertes Wasser
  • 50 ml Aufbewahrungs- und Revitalisierungslösung und
  • 3 Küvetten
  • die Küvettenhalterung liegt dem m503 Set bei

Mit zwei Meter Kabellänge dürfte auch genügend Leitung für ein akrobatisch verlegtes Kabelmanagement vorhanden sein. Der Sensor selber arbeitet sehr schnell und exakt, wenn mich nicht alles täuscht dürfte die Messgenauigkeit im Bereich von 0,02 pH Stufen liegen. Leider ist der Sensor, wie von jeden Namhaften Hersteller, nicht für den dauerhaften Betrieb unter Wasser geeignet, sondern sollten nur ein paar Zentimeter tief eingetaucht werden. Prinzipiell ist zwar fast jeder Sensor Wasserdicht, aber kein Hersteller würde 2 Jahre Garantie darauf geben. Im Internet findet man zwar untertauchbare Sensoren, aber leider findet man dazu keine Erfahrungen.

Vielmehr gibt es über diesen Sensor nicht zu erzählen. Im Grunde genommen sendet der Fühler eine schwache Spannung, die sich je nach „Charakter“ des Wassers, leicht verändert.

ProFlora CO2 Count Safe 2

Die „2“ im Produkt verrät es schon, beim CO2 Count Safe 2 muss sich etwas verändert haben. Neben der farblichen Anpassung, ist es wohl die Integration eines Rückschlagventils die dem Hersteller einen Versionssprung wert ist.

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Ich persönlich begrüße diesen Schritt, wenngleich man bei einer Kombination immer in Gefahr läuft das man beides entsorgen muss, wenn eine Komponente davon kaputt geht. Ein Vorteil liegt aber in der weniger umständlichen Installation.

Die Installation ist somit noch einfacher als beim Vorgänger, der Blasenzähler wird nur noch zwischen der Zuleitung zum CO2 Reaktor geklemmt.

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Als Befestigung dienen wahlweise Saugnäpfe oder Schrauben.

ProFlora Taifun

Der „JBL ProFlora Taifun M10 2“ ist ein sogenannter passiver CO2 Reaktor, das heisst dieser Reaktor benötigt keinerlei zusätzliche Vorrichtungen wie Pumpen oder Filter für den Betrieb. Wer einen kleinen Überblick an CO2 Reaktoren haben möchte, kann sich hier informieren.

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Der Taifun ist in seiner Basislieferung für Aquarien bis max. 400 Litern ausreichend. Der Clou ist aber die „ProFlora Taifun Extend“ getaufte Erweiterung, mit der man den Diffusionsweg theoretisch endlos verlängern kann. Der Reaktor ist dabei sehr modular aufgebaut und besteht aus einzelne Zylindern die einfach aneinander gesteckt werden.

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Anhand des Videos kann man sehr gut erkennen wie die Anfangs großen Blasen immer mehr an Volumen verlieren und dabei CO2 ans Wasser abgeben.

Gut möglich, mit höchster Wahrscheinlichkeit sogar relativ sicher, werden in den ersten Minuten oder gar Stunden die Blasen nicht so gleichmäßig aufsteigen wie im Video. Seltsamerweise dauert es ein Weilchen bis das anfängliche Chaos an Blasen so schön nach oben steigt wie hier.

JBL ProFlora Druckminderer und Magnetventil

Über den Zusammenbau der beiden Komponenten braucht man sich als Set-Besteller keine Gedanken machen, hier wird alles vormontiert geliefert.

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Die einzige Arbeit besteht nur noch darin den Druckminderer auf die CO2 Flasche zu schrauben. Die knapp 60bar der Flasche werden dabei auf einem Betriebsdruck von knapp 1,5 bar herunter geregelt. Hierzu besitzt das Instrumentarium zwei Manometer, das linke Manometer zeigt den Flaschendruck und das rechte den Betriebsdruck (Arbeitsdruck) an.

Generell werden nur knapp 1,5 bar als Arbeitsdruck benötigt, es ist aber möglich das bei diesem Druck spezielle Druckdiffusor wie das „UP Atomizer“ oder „Proflora Direct“ nicht richtig funktionieren. Für diesen Fall kann man mit dem mitgelieferten Inbus den Arbeits- bzw. Betriebsdruck verstellen. Dazu muss nur die vordere Abdeckkappe (2) entfernt werden, dahinter befindet sich eine Schraube mit der man den Druck im Betrieb regeln kann.

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Mittels dem Präzisionsnadelventil (1) kann man die gewünschte Blasenzahl einstellen. Dieser ist sehr feinfühlig, so das eine kleine Drehung schon eine Änderungen der Blasenzahl zur folge hat.

Das Magnetventil „JBL ProFlora v002 2 (Magnetventil 12V)“ schaltet bei anliegendem Strom die CO2 Zufuhr an. Im Normalfall lässt man den JBL pH-Control Touch die Stromregelung übernehmen. Man kann das Magnetventil auch über eine Zeitschaltuhr regeln, aber über einen CO2 Automat wie dem ProFlora pH-Control Touch ist dies viel genauer und bequemer.

Gedanken über ein falsches anstecken braucht man sich nicht machen. Alle Steckverbindungen sind unterschiedlich in der Ausführung und können somit nicht vertauscht werden.

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Das Magnetventil selber ist zwar nicht wirklich lautlos, aber doch ein relativ leiser Vertreter seiner Art. Schaltzeitpunkte kann man zwar wahrnehmen, sind aber nicht störend.

Das restliche Zubehör

Kommen wir zu dem Zubehör das eigentlich keiner Erwähnung bedarf! Der TopStop-CO2-Schlauch besitzt eine Länge von 3 Meter und ist äußert flexibel. Wichtig sei zu erwähnen, das durch das Diffusionsverhalten vom CO2, normale Luftschläuche ungeeignet sind.

Natürlich benötigt man eine CO2 Druckflasche die mit 500 Gramm (m503) ausreichend groß für Aquarien bis max. 600 Liter ist. Baulich bedingt wird ein Standfuß mitgeliefert um die dünne Flasche auch sicheren Fußes stehen zu lassen. Mein Leitungswasser besitzt einen KH-Wert von knapp 4,5 und die CO2 Menge wird automatisch mit knapp 22 mg CO2 pro Liter Aquarienwasser eingestellt. Bisher hängt noch die erste 500 Gramm Flasche am Aquarium und das seit mehr als 3 Monaten.

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Die mitgelieferten Fläschchen JBL Ferropol Basisdünger und Ferropol Tagesdünger sind zwar eine nette Dreingabe und runden das Paket ab, mehr aber auch nicht.


Fazit

Wie kann man eine Kaufempfehlung für ein Produkt geben wenn der Kauf zum größten Teil Emotional war? Das JBL ProFlora m503 ist teuer, ohne Frage, aber auch ein wunderbares Gerät. Alle mitgelieferten Teile sind von hoher Qualität und das Paket ist mehr als üppig ausgestattet. Das Design ist schlicht und dennoch wirkt es edel. Die Benutzerführung ist einfach strukturiert und man findet die einzelnen Punkte auch da wo man sie vermutet. Leider ist die Menüführung oder aber das Display zu klein, mit etwas Mühe und Feingefühl kann man sich dennoch ganz gut durch die Menüpunkte quälen.

Die restlichen Gerätschaften wirken zuverlässig und auch die Kabel- bzw. Schlauchlängen sind für den normalen Einsatz mehr als ausreichend. In der Summe sind die angepeilten 430€ bzw. 500€ inkl. CO2 Sensor (Straßenpreis) zwar hoch aber dennoch gerechtfertigt. Summa summarum bekommt man ein ordentliches Hardwarepaket für sein ausgegebenes Geld.

Wer es dennoch scheut so viel Geld auszugeben, kann ja zum Vorgänger (oder kleinen Bruder) m603 greifen. Diesen findet man schon für etwas weniger als 300€ Allerdings verzichtet man hier auf eine moderne Touchbedienung und das edel anmutende weiße Design.

 

   

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