Der gescheiterte Versuch eines Eigenbau Aquarium

Lange, lange ist es her als ich es mir zur Aufgabe gemacht hatte ein eigenes Becken zu entwerfen, das ist auch der Grund wieso ich es mir mittlerweile zutraue ein Coming-out zu schreiben 😆 .

Gefühlt liegt es schon eine Ewigkeit zurück, als ein nicht näher genannter Jungaquarianer sein 80 Liter Becken durch einen knapp 650 Liter großen Eigenbau ersetzen wollte. Da das Internet zu diesem Zeitpunkt schon super am florieren war, konnte man schon vieles finden um sich selber Mut zuzureden.

Es gab drei Dinge die das Homemade-Aquarium erfüllen musste! Erstens es muss Groß sein, zweitens es muss hinter die Eckbank passen und drittens musste es möglichst Sicher sein.

Nach einigen Recherchen war mir klar das nicht unbedingt das Beckenvolumen, sondern die Beckenhöhe für die Scheibendicke verantwortlich ist. Bei einer Höhe von nur 55cm war die Entscheidung auf 12mm Floatglas gefallen. Damit ist die Scheibendicke alles andere als unterdimensioniert.

Punkt zwei war indes schon ein größeres Problem, die Eckbank besaß keinen exakten 90° Winkel, sondern von oben betrachtet zweimal 45°.

getarnt als Geburtstagstisch
getarnt als Geburtstagstisch

Natürlich hätte es auch eine einfachere Beckenform getan, aber ich hatte mir die Flausen in den Kopf gesetzt das Becken perfekt an die Eckbank anzupassen. Mittels SketchUp habe ich mir die Arbeit gemacht ein 3D Modell des Beckens zu entwerfen. Ich war selber erstaunt wie gut die Illustration am Ende aussah.

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3D Modell des Beckens

Bei Punkt drei, der Sicherheit, wurde es etwas kniffliger. Wie baut man ein Becken das möglichst Sicher zusammenhält? Zweifellos haben die neuen Silikone eine hohe Klebekraft, aber als Novize möchte man lieber zweimal Absichern als einmal das Nachsehen zu haben. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für ein Relikt aus der Vergangenheit, ein Aquarium mit Stahlrahmen. Folgende Idee schwirrten mir dabei im Kopf herum! Rahmen plus modernes Silikon ist gleich doppelte Sicherheit.

Es geht los

Aus meiner damaligen Vergangenheit war mir die Kunst des schweißen Vertraut. Also wurden die Winkeleisen auf Maß gebracht und in der Form des Aquariums verschweißt.

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Die in der Mitte entstandenen 45° Bögen wurden mit einer Spachtelmasse begradigt und mit einem Witterungsbeständigen Lack bepinselt.

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Danach erst wurde das fertige Gestell vermessen und die dafür passenden Glasscheiben bestellt. Anhand der Innenmaße wurden so 11 Scheiben bestellt.

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Wer nachzählt wird festgestellt haben das zwei Scheiben zu viel bestellt wurden. Die Antwort ist recht einfach, die Bodenscheibe wurde in 3 Teile geteilt, ansonsten hätte es meinen finanziellen Rahmen mehr als gesprengt. Ob diese Dreiteilung am Ende die Undichtigkeit hervorgerufen hat, weiß ich nicht. Sicherheitshalber wurden unter den Klebekanten eine Metallstrebe verschweißt. Ich ging davon aus das das Silikon die Glaskanten sicher und vor allem dicht verkleben würde.

Der Unterbau

Das alles war ja schön und gut, aber das Aquarium am Boden zu stellen hätte wahrscheinlich nicht so toll ausgesehen. Also musste auch noch ein Untergestell gebastelt werden. Wenn das Aquarium schon Eigenbau ist, dann MUSS der Unterschrank auch Eigenbau sein!

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Vielleicht habe ich es mit der Dicke der Balken etwas Übertrieben, aber wie oben schon erwähnt! Lieber vorher mehr Dick, als nachher das gefüllte Aquarium am Boden zu finden.

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Gestrichen wurde das Holz in einer dunklen Farbe, um das Gestell einigermaßen an das Esszimmers anzupassen.

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Aus einer 3-Schicht Platte wurde die Auflage für das Aquarium gesägt und anschließend in der gleichen Farbe lackiert.

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Ein paar Tage darauf kamen auch die bestellten Gläser bei mir an.

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Schritt für Schritt und mit einer Engelsgeduld habe ich jede einzelne Scheibe in den Rahmen geklebt.

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Das ganze musste jetzt natürlich noch trocknen. Da das Silikon recht dick aufgetragen wurde, entschied ich mindesten 2 Wochen zu warten bevor das Becken seine Wassertaufe bekommt.

Während dieser Zeit war ich natürlich nicht untätig, mein Hobbybastler-Gen schien auf Hochtouren zu laufen. Also wurde im örtlichen Baumarkt drei Platten Styrodur gekauft. Mir persönlich gefällt das Arbeiten mit Styrodur besser als mit Styropor, da Styrodur um einiges stabiler und fester ist als das leichtere Styropor.

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Ich verklebte die Platten so miteinander, das der Überlauf des Beckens nicht zu sehen war. Anschließend wurde ein Relief auf die Platten gezeichnet, nach diesem Muster wurde mit Feile, Meißel und Schraubenzieher die Platte bearbeitet.

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Als Gimmick entschied ich mich eine Höhle aus KG-Rohren zu bauen, darin könnten sich dann kleinere Fische oder Garnelen verstecken.

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Als die Styrodurplatten fertig modelliert waren, wurden sie mit mehreren Schichten Fliesenkleber bestrichen. Anleitungen dazu findet man im Internet mehr als genug.

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Da der Hintergrund möglichst Dunkel sein sollte, wurde die Rückwand mit grauer Farbe bestrichen. Um das ganze etwas natürlicher Aussehen zu lassen wurde nach jedem Anstrich etwas Abtönfarbe hinzu gegeben. Anschließend wurde alles mit einem Klarlack (Bootslack) versiegelt.

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Leider glänzte dadurch die Rückwand ein wenig. Vermutlich würde aber der Schimmer im Betrieb etwas nachlassen.

Es war soweit

Die angepeilten zwei Wochen waren endlich vorbei und ich konnte das Becken volllaufen lassen. Anfangs sah es auch super dicht aus, bis sich über den Tag hinweg eine kleine Pfütze am Tisch bildete. Jetzt hätte ich mich am liebsten Volllaufen lassen! Es war zwar nicht viel Wasser, etwa ein Schnapsglas am Tag, aber zu viel um es einfach zu ignorieren.

Was konnte ich jetzt tun? Entweder ich schmeiße alles hin und begrabe das Thema Aquarium Eigenbau (wäre vermutlich besser gewesen) oder ich probiere es nochmal. Ich entschied mich für letzteres, denn so schnell wollte ich mich doch nicht geschlagen geben.

Das hatte natürlich unangenehme Arbeiten mit sich gebracht. Silikon herausschneiden, Scheiben reinigen und neu verkleben. Gesagt getan, wieder zwei Wochen warten und wieder das Becken mit Wasser füllen. Dann die Ernüchterung, noch bevor ich das Becken volllaufen ließ, fiel etwas Unangenehmes auf. Die Lackschicht hatte anscheinend seine Aufgabe verfehlt und der Stahlrahmen tat das, was ein Stahlrahmen so tut wenn er mit Wasser in Berührung kommt. Er Rostet!

Das konnte ich natürlich nicht lassen und noch bevor ich testen konnte ob das Aquarium Dicht ist, ließ ich das Wasser ab und zerlegte das ganze Becken. Richtig gelesen, Scheiben herausschneiden und altes Gestell entsorgen. Die größte Arbeit war das Reinigen der Scheiben  🙁 .

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Diesmal entschied ich mich für Edelstahl als Material. Die ganze Prozedur begann von vorne, messen, schneiden, schweißen.

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Danach wurde natürlich wieder verspachtelt und lackiert, diesmal mit einer speziellen Grundierung für Edelstahl. Danach wurden die gereinigten Scheiben wieder eingeklebt.

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Es vergingen weitere 2 Wochen bis ich das nächste und letzte mal ein Dichtheitstest anstand. Ohne lange um den heißen Brei zu reden, das Becken war wieder undicht. Anfangs schien es noch super zu funktionieren, dann aber nach 3 Tagen quoll das Wasser unter dem Becken hervor. Es war zwar bedeutend weniger als noch beim ersten mal, aber zu viel für mich und meine Nerven.

Mein Elend war vermutlich nicht mehr mit anzuschauen, sodass meine Frau entschied mir ein neues Becken, mit ein etwas weniger gewagtes Design, bauen zu lassen. Geworden ist daraus mein Nepomuk 700 Liter Becken mit einigen Eigenbauten. Das Becken hat mir dann über Jahre hinweg sehr viel freute bereitet.

Warum letzten Endes das Becken nicht dicht wurde, weiß ich nicht. Müsste ich eine Vermutung wagen, würde ich der geteilten Bodenplatte die Schuld geben.

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4 Gedanken zu “Der gescheiterte Versuch eines Eigenbau Aquarium

  1. Hi,
    Ich habe mir vor 25 Jahren ein Aquarium in V2A gebaut. Boden-und Rückplatte aus Edelstahl.
    Beim ersten Test war es auch undicht. “Nomaler AquariumSilikon” ist ungeeignet. Mit speziellem Spiegelsilikon, der dann aber 6 Wochen gewässert werden muss, wegen der Schadstoffe, war das Becken dann bis es vor ca 20 Jahren ersetzt wurde dicht.
    Die Rahmenteile von innen zu lackieren könnte auch falsch sein.

    • Hallo,
      da könnte natürlich was dran sein. Müsste man mal einen Aquarienbauer fragen auf was dieser zurückgreift.
      Wie gesagt hatte ich Zuviel Angst “Standard” oder “spezial” Silikon zu benutzen. Wobei ich mich erinnern kann gelesen zu haben das normales Silikon nach ausreichender “Belüftung” benutzt werden kann und nur auf Schimmelhemmende Silikone verzichtet werden soll. Allerdings ist das jetzt ganz gefährliches Halbwissen.

  2. Hallo,

    trotz des letztendlichen Scheiterns, bin ich beeindruckt von deinem Durchhaltevermögen! Respekt!
    Ich lese deine Artikel regelmäßig, vielen Dank dafür!

    Gruß aus Köln
    Michael

    • Hallo Michael,
      ich muss zugeben das mein Eigenbauversuch mich stellenweise zur Weißglut getrieben hat. Das ich dabei keine weiteren Verletzungen davongetragen habe grenzt schon fast an ein Wunder ;). Letztendlich wurde wenigstens mein Fundus an Erfahrung erweitert und meine Faszination an moderne Klebemittel stieg nach diesen Anstrengungen nochmals deutlich an.

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