Das Sera Marin Tagebuch (von 2012)

Das Sera Marin Tagebuch (von 2012)

28.September 2012

Die Lieferung kam gestern an und wurde umgehend nach oben in den ersten Stock geschleppt, natürlich mit der Hilfe einer zweiten Person! Das Becken selber ist zwar nicht all zu schwer, aber viel zu unhandlich um es alleine die Treppen rauf zu schleifen.

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Ich war sehr überrascht was den Umfang der Lieferung angeht, außer Bodengrund und Steine ist (fast) alles dabei für den Start. Natürlich galt es als erstes zu klären, wohin mit dem Becken samt Unterschrank! Darüber habe ich mir nämlich noch keine Gedanken gemacht – für was auch! Da ich schließlich verheiratet bin, hab ich was Styling der vier Wände angeht, eh nur spärliches Mitspracherecht 🙂.

Mein erster Vorschlag ging natürlich voll in die Hose und wurde von meiner besseren Hälfte nicht so anerkannt wie ich erhofft hatte! Wäre ja auch viel zu einfach gewesen.

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Um ehrlich zu sein, so unter uns, sah es tatsächlich etwas doof aus! War halt typisch männlich einfach und praktikabel gedacht, bzw. mit wenig Aufwand verbunden.

Was natürlich gar nicht geht 🙄

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So sah es dann doch besser aus. Dafür hat das umstellen den “ganzen” Nachmittag für sich in Anspruch genommen, was nicht weiter schlimm war, da meine neue Osmose Anlage eh erst 130 Liter filtern musste. Das Aquarium steht und die Technik wurde nach der einfachen und gut illustrierten Anleitung montiert.

01. Oktober 2012

Endlich! Nach ein paar Tagen (eigentlich schon am 30.09.2012) war die Osmose Anlage soweit um das Becken mit fertig angemachter Salz-Osmose-Wasser zu füllen (etwa 35 Gramm Salz pro Liter). Zuvor wurde aber noch der Bodengrund eingebracht, ich denke das habe ich noch vom Süßwasser intus, die meisten Meerwasseraquarianer bringen den Sand erst nach dem füllen des Beckens ein.
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 Nach Überprüfen des Salzgehaltes wurden auch die 2 Liter Sera Siporax eingebaut. Viele “moderne” Meerwasseraquarianer verzichten auf eine “Biologische” Filterung und überlassen rein den Abschäumer diese Arbeit, ich habe mich aber diesmal dafür entschieden. Genau wie beim animpfen! Jetzt wurden Impfbakterien aus der “Dose” benutzt. 
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 Ich verzichte diesmal auf die “alt einhergebrachte” Methode etwas Bodengrund eines laufenden Beckens einzubringen. Es sollte ja diesmal der pure Einstieg sein und nicht jeder hat einen befreundeten Meerwasser-Aquarianer zur Hand.Nun wird das Becken so betrieben als ob es schon bewohnt wäre. Die Beleuchtung leuchtet für 10 Stunden, der Abschäumer schäumt fleißig vor sich hin und muss anfangs täglich entleert werden. Der Heizstab hält die Temperatur auf etwa 25 Grad und die “Strömungspumpe” wälzt das Wasser fleißig umher.Für die nächsten ein bis zwei Wochen gibt es auch keinerlei weitere Arbeiten, außer eventuell Scheiben reinigen.
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In etwa zwei Wochen (vielleicht eher, vielleicht später) heisst es Lebendstein kaufen und einbringen. Bis dahin habe ich ja Zeit mir zu Überlegen wie der Aufbau genau auszusehen hat.

09. Oktober 2012

 Heute war der erste Teilwasserwechsel dran, gewechselt wurden 20 Liter. Als Meerwassersalz benutze ich das “Red Sea – Coral Pro”, mit dem ich bisher gute Erfahrungen gemacht habe.
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Vor dem Wasserwechsel wurden noch ein paar “Anfangstests” durchgeführt. Eine der wichtigsten Prüfungen für den Anfang sind Nitrit und Ammonium, bzw. Ammoniak. Beides sollte vor dem Einsetzen des ersten Lebens auf einem normalen Wert gesunken sein, ist aber in der Einlaufphase des Beckens erhöht (Peak). Zumindest so lange bis Bakterien mit dem Abbau des Ammonium beginnen, dadurch wiederum entsteht Nitrit und Nitrit ist bekanntlich ja auch giftig. Zu guter letzt wird das Nitrit dann in das ungefährlichere Nitrat umgewandelt. Diese Stufen, also von Ammonium zu Nitrit und wiederum zu Nitrat, sollte das Aquarium vor dem ersten Besatz durchlaufen haben.
Beide Werte sind bei mir erhöht aber noch nicht gefährlich.
  • PH 7,4
  • Nh4 0,6
  • No2 0,02

Allerdings werde ich die beiden Parameter noch genauer beobachten, bevor ich das Lebendgestein einsetze.

13. Oktober 2012

 Nachdem das Ammonium und auch das Nitrit auf ein akzeptables Niveau gesunken sind (Nh4 < 0,1 und No2 < 0,02), stieg das Nitrat (No3 = 0,8) minimal an. Jetzt ist es endlich Zeit um das Lebendgestein einzubringen.
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Nach gefühlten 30 Minuten herum probieren, verließ mich meine Muße schlagartig und machte Platz für meinen Missmut.
Wohl dem, der eine weibliche Person als Lebenspartner hat, immerhin kann sich hierbei das weibliche Geschlecht vollends in seiner Materie austoben 🙂. Jeder der schon einmal ein Zimmer nach Anleitung der Partnerin umgestellt hat, weiß wovon ich rede. Hier aber, im Beispiel Aquarium, kommt das (Um)gestaltungs-Gen aber super zum Einsatz.
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 Zeit scheint auch keine Rolle zu spielen. Es wurde probiert, wieder umgeschmissen, neu verlegt, wieder verteilt, aufgebaut usw. Mir soll´s recht sein 😆
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 Das Ergebnis kann sich auch wirklich sehen lassen, mir gefällt es doch deutlich besser als ich Anfangs vermutet hatte und Platz für Korallen ist auch noch vorhanden.
Wahnsinn wie wenig 10% Lebendgestein sein kann. In der Regel geht man davon aus, das man mindestens 10% des Becken-Litervolumens, in Kilogramm an Lebendgestein einsetzt. Also bei einem 100 Liter Becken, etwa 10 Kilo Stein.
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 Ab jetzt heisst es wieder Werte beobachten, denn mit dem Lebendgestein hält ja das Leben Einzug ins Becken.

15. Oktober 2012

 Jetzt machen sich die eingesetzten Lebendsteine bemerkbar, zwar sind Phosphat (Po4) und Ammonium (Nh4) auf einen fast nicht mehr nachweisbaren Wert gesunken (0,0 und < 0,05), aber dafür stieg das Nitrat (No3) und auch das Nitrit (No2) leicht an. Das Nitrat ist zwar mit 1,0 in einem grünen Bereich, aber das Nitrit mit 0,05 gerade noch akzeptabel (also eher gelb). Falls jetzt schon Besatz im Aquarium wäre, müsste man einen großzügigen Wasserwechsel durchführen.
Apropos Besatz! Klar das da jetzt welcher als blinder Passagier mitgekommen ist, wenn auch nur unbeabsichtigt und eher ungewollt. 
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Überwiegend Plagegeister, wie der Gänsefuß-Seestern und ein paar Glasrosen.
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Für die Glasrosen, eigentlich eher gegen die Glasrosen, gibt es ja Mittelchen. Eines dieser habe ich bestellt und werde es demnächst in der Praxis testen.

17. Oktober 2012

 Es scheint so, als ob sich meine Einlaufphase im vollen Gange befindet. Zumindest wachsen seit gestern Nacht Kieselalgen auf meinem Bodengrund. Meiner Meinung nach leicht verspätet und für mich Überraschend. Eine erneute Messung brachte einen zu hohen Silikatwert zum Vorschein. Da der SiO2 Wert so schnell anstieg, binnen 2 Tagen von 1,6 auf 3,0, musste ein Übeltäter gesucht werden. Da in den letzten 2 Tagen nichts getan wurde außer die verbrauchte Karbonathärte zu erhöhen, liegt meine Vermutung an Microbe-Lift Complete. 
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Hierzu habe ich einen kleinen Artikel geschrieben. Nun heisst es abwarten und hoffen das sich der SiO2 Wert wieder normalisiert.
Dafür gibt es Freude zu den restlichen Messungen, Nh4 (Ammonium) und PO4 (Phosphat) sind an der unteren Grenze und das leicht gestiegene NO2 (Nitrit) sank wieder auf 0,25. 

20. Oktober 2012

Layout Änderung! Zum heutigen Wasserwechsel gesellten sich ein Lebendsteinbrocken (doofes Wort) und eine Riffkeramiksäule dazu. Grund war das doch recht magere aussehen bis zu diesem Zeitpunkt. Klar das für solche Unternehmungen kleine zierliche Händchen herhalten müssen, so gesehen ist das Layout zum zweiten mal den Verdiensten meiner Frau anzurechnen. 
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Leider ist das Wasser dadurch etwas trüb geworden, aber man sieht deutlich das vergrößern des Aufbaus. Hier noch mal ein vorher Foto.
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Es kamen etwas über zwei Kilo Lebendgestein und eine Riffkeramik-Säule neu hinzu. Die Riffkeramiksäule dient eigentlich nur als Unterkonstrukt für den Aufbau, letztendlich tummeln sich etwa 11 bis 12 Kilo Lebendgestein im Becken.

21. Oktober 2012

Für den heutigen Sonntag gibt es nicht viel zu berichten, alles läuft super und das Wasser ist auch nicht mehr so trüb. Allerdings habe ich mir die Mühe gemacht sämtliche Wasserwerte zu messen.

  • No2 = 0,03
  • No3 = 1,0
  • Ph  = 7,4
  • Kh = 6
  • SiO2 = 0,2
  • Po4 < 0,02

Sieht ganz gut aus, einzig PH und KH könnten etwas höher sein.

26. Oktober 2012

Nun sind schon ein paar Tage ins Land gegangen seit meinem letzten Tagebucheintrag, mittlerweile haben sich auch schon die ersten Tiere eingefunden. Am 21. Oktober durfte ein Seeigel das Licht meiner Aquarienwelt betreten.

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Dieser fühlt sich bisher pudelwohl und gehört der Gattung “Mespilia globulus” an. Er hat den Vorteil durch seine kurzen Stachel eine nicht all zu hohe Hebelwirkung zu besitzen und kümmert sich seither ein bisschen um meine Grünalgen. Bei den anderen Seeigeln mit langen Stacheln, kann es schon mal vorkommen das sie Steine oder Korallen aus der Verankerung heben.

Vorgestern, also am 24. Oktober in den Abendstunden,  kam dann auch die erste Koralle in mein Becken. Eigentlich war es eine Umsiedlung vom kleinen 80 Liter in das neue 130 Liter Becken. Ich habe das Tier mittels einer Honigkur behandelt und dann umgesetzt. Einen genauen Bericht darüber kann man hier finden. Die Euphyllia erfreut sich bisher ebenfalls bester Gesundheit, was zum Teil an den guten Wasserwerten liegt. Einzig der Ph/Kh und das Magnesium sollten nachgereicht bzw. erhöht werden, ansonsten bin ich zufrieden mit den Messungen.

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Gemessen am 26. Oktober vor dem Teilwasserwechsel:

  • Kh = 7
  • Ph = 7.4
  • NO2 < 0.02
  • No3 = 1.0
  • PO4 = 0.02
  • Nh4 < 0.05
  • SiO2 = 0.1
  • Mg = 1160mg
  • Ca = 440mg

Jetzt werden noch 20 Liter Wasser gewechselt und weiter beobachtet..

28. Oktober 2012

Ich denke das ich es hiermit beenden kann. Klar kommt noch der ein oder andere Besatz dazu, die Einfahrphase selber sehe ich hiermit beendet. Auch wenn man dazu sagen muss das das Becken mindestens noch ein halbes Jahr braucht, bevor man von einem wirklich stabilen Milieu reden kann.

Da die Werte weiterhin unverändert gut sind und mein Drang das kleinere Aquarium endlich aufzulösen, wanderten kurzerhand die Clowns auch in ihr neues Zuhause.

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Da das Licht gerade erst anging, ist die Euphyllia noch nicht so richtig wach und wirkt etwas zusammengekauert, das bleibt aber nicht lange so. Den Fischen scheint das neue Zuhause ganz gut zu gefallen, soweit ich das nach einem Tag beurteilen kann.

Außerdem hat sich meine “Lysmata Wurdemanni” Garnele gehäutet, nur der Platz den sie dafür ausgesucht hat ist sehr Merkwürdig und ziemlich Öffentlich. Nichts desto trotz bestens für ein Shooting geeignet.

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Wenn alles so weiter läuft, denke ich das es diese Woche noch einen Abschlussbericht “Aquarien Umquartierung” geben wird. Es sei denn es kommt noch was gröberes dazwischen, wovon ich natürlich nicht ausgehe.

02. November 2012

Der letzte Besatz kehrt ein. Nach knapp über einem Monat ging auch der letzte Besatz ins neue Heim über. Gestern war es dann soweit, mein kleines 80 Liter Becken kann nun eingemottet werden. Beide Euphylien, die Fingerkoralle “Caulastrea Curvata”, beide “Nemos” und der komplette restliche Besatz (Einsiedler, Seeigel und Garnele) wurden in den letzten 2 Wochen, in Abständen von 2 – 5 Tagen, übergesiedelt.

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Meine Wasserwerte, seit dem Einrichten, wurden in einer Tabelle festgehalten und sahen in etwa so aus:

Dat. 09.10 11.10 15.10 19.10 21.10 23.10 26.10 01.11
KH 8 5 7 6 7 7 8
PH 7.4 7.4 7.4 7.4 7.4 7.4 7.4 7.6
No2 0.02 0.02 0.05 0.4 0.03 0.4 0.02 <0.02
No3 1.0 1.0 1.0 1.0 1.0 1.0
PO4 0.02 0.0 0.04 0.02 0.02 0.02 0.02
Nh4 0.6 0.6 0.05 0.05 0.07 <0.05 <0.05 <0.05
SiO2 3.0 1.6 0.8 0.2 0.2 0.1 <0.1
Ca 400 440 440
Mg 1300 1260 1160
Sal 1.025 1.024

Es wurden nicht alle gemessenen Tage übertragen, aber für einen groben Überblick ausreichend viele.

Schön zu sehen ist, das um dem 19. herum der NO2 Wert seinen Höhepunkt erreicht hat, bevor er in den nächsten Tagen wieder auf ein “erträgliches” Maß fiel. Kurz nach dem Nitrit Peak stieg auch der NH4 Wert an, dieser fiel aber wieder, quasi über Nacht, auf ein Minimum ab.

Heute kann ich auch die Einfahrphase als beendet erklären. Selbst wenn man weiß das ein wirklich stabiles Milieu erst nach etwa einem halben Jahr erreicht ist.

Komischerweise fiel mir diesmal kein Übermäßiger Algenbewuchs auf. Es gab zwar Braunalgen an den Scheiben…

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…und hier und da Grünalgenbüsche, aber so extrem wie im kleineren Achtziger Becken gab es sie nicht. Dafür hatte ich mit Glasrosen zu kämpfen, aber ob die für verminderten Algenwuchs verantwortlich waren, kann ich nicht sagen.

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