Fragen die man sich vor dem Aquarium Kauf stellen sollte

Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Eine Frage die sich jeder Aquarianer, unabhängig wie lang er sein Hobby schon betreibt, einmal fragen wird. Das “wo komme ich her” ist meistens einfach zu beantworten. Sollte man nicht unter Amnesie leiden, weiß man doch meisten genau was man bisher getan hat, im aquaristischem Sinne natürlich. Entweder man hatte bisher so gar nichts am Hut mit Zierfischen, ist ein alter Hase oder eben ein Wiedereinstieger so wie ich. Das wohin ist da schon um einiges schwerer zu beantworten, leider gibt es da auch keinen Leitfaden den man Punkt für Punkt durchgehen kann und am Ende genau weiß was man eigentlich will.

Fest steht das ich nach drei Jahren ohne wieder in die wunderbare Welt der Aquaristik einsteigen möchte. Glücklicherweise bin ich da nicht alleine, denn ein mir lieb gewordener uralter Bekannter steht vor dem gleichen Problem wie ich. In unserer kleinen Selbsthilfegruppe kamen so einige Fragen auf, die die weitere Planung stark beeinflussten. Die unten genannten Punkte sind zwar nicht das Heilmittel der Welt, veranschaulichen aber unsere Fragen die wir uns stellten bevor es an die eigentliche Planung ging. Na gut, teilweise steckten wir schon richtig drin bevor uns manche Fragen einfielen.

Welche Größe?

Ja die Größe ist eben doch entscheidend. Egal ob ich jetzt ein kleines Nano Garnelenbecken mein eigen nennen möchte oder lieber ein für “phallussophisch” Gesprächsstoff sorgendes Riesen Becken zu Hause haben werde, beides hat für seinen Benutzer seinen individuellen Reiz. Wieder einmal sind es die Bretter (oder besser Balken) die die Welt bedeuten, wenn man Glück hat ist es auch Beton. Man kann halt nicht beliebig groß bauen, denn der Untergrund sollte im Idealfall auch das Gewicht des Glaskörpers tragen können. Ein 500 Literbecken wird gut und gerne 450kg pro Quadratmeter erreichen und da ist es besser wenn der Untermieter nicht irgendwann Teil hat an unserem Hobby.

Ein großes Becken hat natürlich seine Vorteile, es verzeiht doch so manch verschlafenes Wochenende. Sind wir mal ehrlich, auch wenn einem das Hobby sehr am Herzen liegt, kommt es immer wieder mal vor das man den einen oder anderen Wasserwechsel schlicht und einfach verpennt. Ein großes Becken kann mit solcher, oder auch anderen Unachtsamkeiten, besser umgehen als ein kleines 20 Liter Becken.

Auf der anderen Seite reicht beim Nanobecken ein Glas Wasser für den Teilwasserwechsel und auch die Pflege fällt bedeutend geringer aus als beim 700 Liter Pendant. Das Eimerweise entfernen der Wasserpflanzen bleibt so nur Großaquarienbesitzer vorbehalten und die wöchentliche Pflege kann bei großen Aquarien schon ein erheblicher Mehraufwand darstellen.

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Mein damaliger ganzer Stolz

Das liebe Geld

Das der Euro keinen Schilling mehr wert ist, ist ja bekannt, aber was wirklich schmerzt ist ein falsch kalkuliertes Budget beim Aquarienkauf. Neben dem Aquarium, egal ob mit oder ohne Mobiliar, muss Technik, Chemie, Interior und am Ende auch der Besatz gekauft werden. Wenn man wie ich auf so geiles Zeug wie eine Rückwand steht, sollte man am besten einen Oligarchen als Onkel besitzen. Dabei ist es unwichtig ob man eine Rückwand kauft oder sie sich selber baut, beides kostet richtig Geld und man kommt auf etwa 100€ der laufende Meter.

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Der Besatz spielt auch eine preislich gewichtige Rolle, ein paar Diskusfische oder gar besondere Wildfänge kosten etwas mehr als ein Lastrami-Guppy (Landstraßenmischung). Genau! Der Besatz, auch ein wichtiger Punkt bei unserer Abarbeitungsliste.

Der Besatz

Der Besatz ist der Stiefzwilling der Beckengröße. Beide Punkte sind in gewissermaßen von einander abhängig. Möchte ich einen bestimmten Fisch haben, brauche ich auch das passende Becken dazu. Möchte ich aber eine bestimmte Beckengröße, muss auch im Nachhinein der passenden Besatz dafür gekauft werden. Nichts sieht dümmer aus als ein 700 Liter Becken mit ein Handvoll Platys (meine persönliche Meinung). Was aber wiederum geil aussieht ist ein Schwarm von hundert Neons in einem 500 Liter Becken, man sieht nicht nur die Fischgröße ist entscheidend. Mein erstes Becken wurde passend für das Wohnzimmer gekauft und dann erst habe ich mir Gedanken über den Besatz gemacht, diesmal sieht es wahrscheinlich genau andersherum aus.

Fast ohne Besatz geht natürlich auch, sollte man sich dazu entschließen ein Aquascape zu betreiben ist der Fischanteil vernachlässigbar. Selbiges natürlich auch beim Holländischen Pflanzenbecken. Bei beiden sollte man aber den grünen Daumen besitzen, den ich anscheinend nicht wirklich habe.

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Interzoo 2012

Süß- oder Meerwasser

Für mich stellt sich die Frage nicht mehr. Nach Jahrzehnten des Süßwassers und einige Jahre mit Riffbecken, bleibe ich lieber beim Süßwasser.

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Einfach zu erklären ist meine Aussage nicht, denn für offenere Münder sorgt natürlich das Riffbecken. Allerdings sind die laufenden kosten beim Meerwasser ganz schön salzig  😀 . Da ja beim Meerwasser alles lebt, selbst die Steine, ist der Einkauf bei Fisch, Steine und Korallen schon erheblich höher als beim Süßwasser. Auch sind im Normalfall die monatlichen Kosten höher als bei Vergleichbaren Süßwasserbecken. Sollte man durch Krankheit oder übermäßig Algenbefall großzügige Wasserwechsel vollbringen müssen, geht das kostbare Salz Eimerweise über die Ladentheke. Das freut zwar den Händler, nicht aber meinen Geldbeutel.

Das alles ist aber Pillepalle! Jeder der schon ernsthaft Disken gehalten hat, weiß genau das diese ordentlich ins Geld können: Stichpunkt Osmoseanlage, Wasseraufbereitung und Filterung. Mir persönlich gefällt einfach Grün besser als Blau und ein Unterwasserdschungel ist nur mit Süßwasser zu erreichen. Nicht umsonst wird das moderne Aquascaping mit Süßwasser betrieben.

Haltung oder Vermehrung

Absichtlich wird hier das Wort “Zucht” vermieden, denn die hohe Kunst der Zucht wird von den wenigsten betrieben. Bei der Zucht muss man genetisch Vererbbare Merkmale vermeiden oder hervorheben und diese können über Generationen fortbestehen. Ein schwarzes Guppy Pärchen muss nicht zwangsläufig schwarze Babys auf die Welt bringen. Vermehrung hingegen ist das was der Laie gerne als Zucht bezeichnet, nämlich das Reproduzieren einer Gattung.

Meiner Meinung nach ist Vermehrung nichts für das Wohnzimmer. Ist schon klar das hier und da Nachwuchs im Becken existiert, möchte man aber wirklich seinen Bestand vermehren, eignet sich ein Keller mit mehreren Becken (Quarantänebecken) besser als das großes Aquarium im Wohnzimmer.

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Wer sich mehr mit dem Thema Zucht (Vermehrung) beschäftigen will, sollte die Seite my-fish.org besuchen und dessen Zuchtprogramm anschauen.

Bei der Haltung ist das Tier im Mittelpunkt, man möchte sehen und bestaunen. Auch spielt bei der Haltung das Gesamtbild eine Rolle, irgendwie soll der Fisch ins Gesamtkonzept passen. Fische aus der Malawisee mögen es hart (gemeint ist die Wasserhärte) und steinig, Amazonen (sagt man das so – denke wohl kaum, aber egal) lieben es weich mit Holz und Pflanzen. Dabei spielt die Vermehrung eine Untergeordnete Rolle und lässt sich im Gemeinschaftsbecken nur schwer verwirklichen, als Beispiel möchte ich hier die Fressfeinde erwähnen. Meistens wird das reine Halten von Fischen auch gerne mit dem nächsten Punkt verbunden.

Das Becken als Wohnungseinrichtung

Wenn man das Hobby Aquarium als Möblierung betrachtet, ist natürlich das Becken als ganzes im Mittelpunkt. Der Besatz, das Becken und der (Unter)Schrank werden zu gleichen Teilen beachtet, das eine vielleicht etwas mehr, das andere etwas weniger, aber am Ende sollte alles stimmig ins Gesamtbild passen …irgendwie. Auch spielt im Gegensatz zur Zucht und reinen Hälterung die innere Architektur eines Beckens eine wichtige Rolle, es soll ja was hermachen oder bestenfalls ein Biotop widerspiegeln.

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Welche Stil man dabei fährt ist zweitrangig. Ob verspielt oder naturnah, den Fischen ist es eher schnuppe solange ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Gut, manchmal kann man selbst über Geschmack streiten  😉 .

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Fazit

Für mich ist mittlerweile klar, das ich mein Becken in erster Linie als Möbelstück betrachte. Es steht bei mir im Wohnzimmer und soll zum Rest der Einrichtung passen. Als nächstes möchte ich unbedingt wieder Diskusfische halten, das sind für mich einfach die schönsten Tiere im Aquarium. Daraus schließe ich das mein Becken mindestens 300 Liter benötigt und bepflanzt wird. Mein Kumpane möchte es einfach nur groß und bepflanzt, der Besatz spielt erstmal eine Untergeordnete Rolle. Das ist zwar jetzt nicht der Weisheit letzter Schluss, aber schon mal eine grobe Richtung in die wir blicken können.

Wie gesagt sollen die Punkte nicht der Leitfaden der Aquaristik sein, aber vielleicht ein Anstoss sich vor dem Kauf wirklich Gedanken zu machen. Vielleicht wird der ein oder andere sich die gleichen Fragen gestellt haben oder sogar noch stellen.

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